Der Sechstklässler Gustav Montag vom St. Josef-Gymnasium Dingelstädt nahm Ende Juni am Bundesfinale des Vorlesewettbewerbs in Berlin teil. Gereicht hat es zwar nicht ganz, aber unschätzbare Erfahrungen bleiben.
Man muss diese Zahlen erst einmal durchdenken, um zu verstehen, was der Sechstklässler Gustav Montag vom St. Josef-Gymnasium Dingelstädt im Rahmen des 66. Vorlesewettbewerbs geschafft hat. Insgesamt 4 Vorleserunden musste Gustav bewältigen, ehe er nach einer Auswahl innerhalb der Klasse 6b, dem Schulausscheid, dem Kreisausscheid in Heiligenstadt und dem Bezirksentscheid Thüringen-West in Nordhausen final auch den Thüringer Landesentscheid Anfang Mai in Erfurt für sich entscheiden durfte. Seit Dezember nahm das Auswahlverfahren somit 6 Monate in Anspruch, bis Gustav nach Berlin und sich dort mit den 15 weiteren Landesfinalisten messen konnte. Hierbei musste sich der Küllstedter mit jeder weiteren Runde nicht nur immer wieder gegen mehrere Mitbewerber durchsetzen, mit jeder Runde stieg auch das Vorlese-Level an, das es zum Durchsetzen brauchte. Und als ob dies nicht schon Anerkennung genug sein dürfte, überzeugen vor allem die Zahlen der insgesamt teilnehmenden Schüler und Schülerinnen deutschlandweit: Gustav fuhr als einer der 16 Besten von rund 550.000 Teilnehmern - aus circa 25.000 Klassen von 7000 Schulen - zum Finale nach Berlin!
Kein Wunder also, dass Mitschüler und Lehrer stolz auf ihren Gustav waren. Dies drückte sich einerseits bei einer großen Anzahl an Mitschülern aus, die Gustav zum Landesentscheid nach Erfurt begleiteten. Zum Bundesfinale am 25. Juni war dies nicht so einfach möglich. Da aber der Wettbewerb per Livestream des Brandenburgischen Rundfunks übertragen wurde, richtete die Schule ein Public Viewing ein, um Gustav aus der Ferne begeistert und anfeuernd zu unterstützen. Moderator Daniel Claus gab dann auch eine Liveschalte in den Raum 205 am Gymnasium. Doch diese sonst als "Raum der Stille" eingerichtete Örtlichkeit sprudelte sichtbar über, was Motivationsschilder und Begeisterungsstürme betraf. Wenn also auch der Hauptanteil der Leistung eindeutig bei Gustav lag, war es vielleicht auch die Motivationswoge aus Dingelstädt, die ihn fernab in Berlin zu seinem emotionalen Lesevortrag beflügelte.
Und so las Gustav aus Katya Balens Roman "Wünsche an die Wellen", einer Geschichte über Familie, Zusammenhalt und Neuanfängen, als ob es kein Morgen gäbe. Beobachter fassten sein Vorlesen so zusammen: "Mit rauem Timbre, wie sein Rumoren, sein Aufbegehren immer lauter, dröhnender, unüberhörbarer wurde, bestes Kopfkino. [...] Woher nahm Gustav überhaupt das ganze Stimmvolumen und die Luft?" und Juror sowie KiKa-Moderator Tim Gailus merkte völlig überwältigt an: "Ich falle gleich vom Stuhl!" (Zitatquellen (2): https://www.boersenblatt.net/home/ayla-ulucam-ist-die-beste-vorleserin-2025-378403 [27.06.2025]).
Gereicht hat es am Ende nicht ganz: Ayla Uluçam aus Berlin gewann das Finale mit einem ebenfalls höchst emphatischen Lesevortrag aus dem Roman "Game of Noctis - Spiel um dein Leben “, von Deva Fagan. Gustavs Nachfrage an die Jury belegt, wie eng das Rennen zuging: "Am Ende soll es eine denkbar knappe Entscheidung zwischen Ayla und mir gewesen sein", so der Sechstklässler. Wer diese herausragende Leistung noch einmal nachverfolgen möchte: Der Livestream des Finales kann unter folgendem Link noch einmal angeschaut werden: https://www.vorlesewettbewerb.de/finale [27.06.2025].
Doch wer denkt, dass sich Gustav lange ärgerte, der täuscht sich - immerhin war er ja schon ein Mehrfachgewinner, ehe er nach Berlin fahren durfte. Und so sprach er seine Worte, verschwand im Rahmen der Projektwoche in seine Fußballergruppe und spielte mit seiner Mannschaft, als ob nichts gewesen wäre.
Seitens des Gymnasiums im Namen aller Schüler, Schülerinnen, Lehrer und Lehrerinnen:
Herzlichen Glückwunsch, Gustav!

Gustav Montag vom St. Josef-Gymnasium Dingelstädt überstand mehrere Runden des Vorlesewettbewerbs, hier zu sehen nach dem Sieg im Kreisausscheid. Er überzeugte auch die Jury des Bundesfinales in Berlin. (privates Foto)
Text: Michael Gremler